Welche KMU zahlen weniger Steuern oder am Schluss die Rechnung?

Welche KMU zahlen weniger Steuern oder am Schluss die Rechnung? 
Ein Blick in die Berner Steuerstatistik

Im Vorfeld der Abstimmung über das Steuergesetz vom 25. November ist auf bürgerlicher Seite zu lesen, dass 5000 KMU von der Senkung der Gewinnsteuer profitieren würden.[i]Interessant ist dabei, was nicht aktiv gesagt wird. So gibt es nämlich für über 30’000 Betriebe – die allergrösste Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen im Kanton Bern – keine Senkung der Steuerrechnung. Dies weil in der vorliegenden Steuervorlage beim heute dreistufigen Gewinnsteuertarif nur die Besteuerung bei den höchsten Gewinnen gesenkt werden soll. Erstaunlich ist, dass die Verbände der kleinen und mittleren Unternehmen für Steuersenkungen für die Minderheit der gewinnstärksten Betriebe kämpfen. Denn welches KMU hat einen jährlichen Gewinn von einer halben Millionen Franken oder gar von 749’999 Franken? Die Regierung definiert KMU wie folgt: «5’199 dieser Gesellschaften erzielen einen Reingewinn unter CHF 750’000 und können als KMU bezeichnet werden.» Unklar ist, auf welche Definition sich der Berner Regierungsrat stützt. Ein typisches KMU dürfte eines mit mehreren hunderttausend Franken kaum sein. Schon eher ein mittelgrosses, gewinnstarkes Unternehmen. Eine junge Werbeagentur oder ein Handwerksbetrieb können bei solchen Gewinnzahlen wohl nur stauen.

Ja, es gibt gewinnstarke, kleine KMU, die von der Steuersenkung profitieren würden. Aber weit über 80% der KMU zahlen gleich viel Steuern wie heute. Gleichzeitig haben die Kassen von Kanton und Gemeinden aber jährlich über 150 Millionen weniger Einnahmen. Wie kann die öffentliche Hand weiterhin in die Berufsbildung und Fachhochschulen investieren oder gute Infrastrukturen zur Verfügung stellen, wenn dem Staat immer mehr das Geld abgedreht wird? Weniger Steuern und gleiche Leistungen, beides zusammen geht nicht. Wer als KMU rechnet, stimmt Nein zum Steuergesetz. Denn die Rechnung für Steuergeschenke für die gewinnstärksten Betriebe zahlen am Schluss der Mittelstand und die KMU mit einer Erhöhung der Steuern der natürlichen Personen. Wer sich eine eigene Meinung bilden will, schaut die Tabelle im Abstimmungsbüchlein (S. 5) an (PDF). Wer sich für Steuerstatistiken interessiert, findet die Infos hier: https://www.fin.be.ch/fin/de/index/steuern/taxme/statistik.html

Natalie Imboden, Grossrätin Grüne, Mitglied Referendumskomitee “Nein zum Steuergeschenk für Grosskonzerne”

[i]Referenz dafür ist eine Anfrage von FDP-Grossrat Adrian Haas, Direktor des Handels- und Industrievereins des Kantons Bern vom Juni 2018: Steuergesetzrevision 2019 und KMU

Frage: Wie viele kleine- und mittlere Betriebe (KMU) im Kanton Bern profitieren voraussichtlich von der mit der Steuergesetzrevision 2019 vorgesehen Gewinnsteuersenkung?

Antwort des Regierungsrates: Von den insgesamt rund 37’000 Kapitalgesellschaften im Kanton Bern (Steuerjahr 2016) weisen 19’076 Gesellschaften einen steuerbaren Gewinn aus. Von der Steuergesetzrevision 2019 würden jene 6’264 Gesellschaften profitieren, die einen Reingewinn von mehr als CHF 63’000 erzielen. 5’199 dieser Gesellschaften erzielen einen Reingewinn unter CHF 750’000 und können als KMU bezeichnet werden. (S. 12/25)

https://www.gr.be.ch/etc/designs/gr/media.cdwsbinary.DOKUMENTE.acq/eb93f983964a47b2bc000ff2b6fdaf4e-332/8/PDF/2018.STA.760-Beilage-D-169761.pdf

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